Hier ist der erwähnte Zeitungsartikel. Die Argumentation erscheint mir äusserst logisch. In Gesprächen mit mehreren Händlern beklagten diese zudem, dass die ihnen aufgezwungene Leasing-Vertriebs-Strategie bereits seit Jahren den Markt überschwemmt. Man habe die nach 3 Jahren zurückgegebenen Wagen stets nach Asien verkauft, aber Asien sei jetzt auch voll damit. Wer beobachtet, wie ein Händler nach dem anderen eingeht, wird mir zustimmen, dass da etwas konzeptionell nicht stimmt.
Der Artikel aus Westdeutschen Allgemeinen Zeitung:
Essen. Die Schattenseiten der Abwrackprämie: Preiswerte Autos aus zweiter Hand finden kaum noch Käufer. Die Werkstätten leiden unter weniger Reparaturaufträgen. Experten beklagen den Preisverfall und den ?wirtschaftlichen Unsinn?
Jahreswagen und neue Autos laufen wie verrückt. Die Händler werden von Käufern regelrecht überrannt. Das Subventionsprogramm für die angeschlagene Branche zeigt Wirkung. Doch das von der Bundesregierung ausgelöste Abwrackfieber hat auch viele Schattenseiten. Die ersten sind schon sichtbar: Der Gebrauchtwagenmarkt liegt danieder, viele Werkstätten kränkeln.
?Die Autos, die ich seit Jahresanfang verkauft habe, kann ich an einer Hand abzählen?, berichtet ein Gebrauchtwagenhändler im westlichen Ruhrgebiet. ?Der Markt ist total kaputt.? Vor allem die Wagen in der Preisklasse zwischen 1000 und 5000 Euro blockieren seinen Hof. Einer seiner Kollegen im Kreis Recklinghausen pflichtet ihm bei: ?Unser Geschäft ist fast tot. Die Leute legen da doch lieber etwas Geld drauf, feilschen um Rabatte oder gucken nach Jahreswagen und nutzen die Abwrackprämie.?
Freie Werkstätten: Es wird verschrottet statt repariert Aber auch den Herstellern teurerer Autos werde der staatliche Verschrottungsanreiz schaden. Das erwartet Autowirtschafts-Professor Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen. Der Absatzstau bei den Gebrauchten lasse deren Preise absacken. Dadurch dürften die Wiederverkaufswerte von Firmenwagen sinken. Da diese Fahrzeuggruppe zu 75 Prozent von deutschen Autobauern hergestellt würde, drohten der Branche auch in diesem Bereich bald sinkende Gewinne. Dabei seien stabile Wiederverkaufswerte einer der wichtigsten Kaufgründe für die Marken deutscher Autobauer.
Das staatliche 1,5-Milliarden-Programm bereitet auch vielen konzernunabhängigen Werkstätten zunehmend Probleme. ?Was bisher bei uns auf der Hebebühne zur Reparatur stand, liegt jetzt schon in der Schrottpresse?, beschreibt ein Kfz-Meister seine Lage. Zudem gebe es kaum noch Nachschub an älteren Wagen. Bisher habe er diese aufgekauft, sie über den TÜV gebracht und mit entsprechendem Gewinn verkauft. Diese Wertschöpfungskette, wie das Wirtschaftswissenschaftler nennen würden, ist zerbrochen.
"Altautoloch" vorhersehbar Wie lange man noch über die Runden kommt ? in vielen Werkstätten ist man offenbar ratlos. Denn auch nach Auslaufen der Abwrackprämie dürfte die Durststrecke längst nicht zu Ende sein. Zum einen werden viele Kunden, die ihre ?alten Möhrchen? mehr oder weniger regelmäßig warten ließen, mit ihren prämienfinanzierten Neuanschaffungen vorerst nicht mehr kommen. Zum anderen werde es mit großer Wahrscheinlichkeit ein ?Altautoloch? geben, wie es ein Branchenfachmann formuliert. Die Wagen, die jetzt in der Schrottpresse landeten, fehlten in den nächsten Jahren als preiswerte Angebote auf dem Gebrauchtwagenmarkt. Und das nicht nur in hier zu Lande.
So verwies Hans-Werner Sinn, Präsident des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung jüngst in der ?Wirtschaftswoche? darauf, dass deutsche Gebrauchtwagen bisher in großem Stil nach Afrika, Osteuropa und Zentralasien verkauft worden seien. Sinn: ?Da wimmelt es von alten deutschen Autos nur so.? Deutschland habe im Jahr 2006 gut 500 000 Gebrauchtwagen im Wert von sechs Milliarden Euro in alle Welt verkauft. Nun zahle der Staat bis zu 1,5 Milliarden Euro dafür, ?einen Teil dieses Exports auf Schrottplätze umzulenken. Welch abenteuerliche Wegwerflogik!?
Preisgefüge gerät durch Rabatte ins Wanken Auch aus gesamtwirtschaftlicher Sicht macht es für Sinn keinen Sinn, neun Jahre alte Autos zu verschrotten. Einige Gründe des Ifo-Chefs: Ein unfallfreier BMW oder Mercedes werde auch schon mal 20 Jahre gefahren, ein Golf schaffe häufig 15 Jahren. Die Lebensdauer der Motoren werde heute schon häufig nicht annäherungsweise ausgenutzt. Und manche Hersteller würden sogar eine 30-jährige Durchrostungsgarantie geben.
Aus Sicht der Fachleute der Unternehmensberatung Simon-Kucher & Partners kann die Abwrackprämie der Branche mittelfristige noch weitere Schäden verursachen. Erfahrungen aus anderen Ländern und Wirtschaftsbereichen zeigten, dass nach den hohen Rabatten, wie sie jetzt durch die Verschrottungsprämie möglich sind, kaum wieder normale Preise durchzusetzen seien. Das gelte gleichermaßen für die Gebrauchten wie für die Premiumautos
|