Leasing zu verteufeln ist sicherlich unrichtig. Wobei natürlich beide Seiten betrachtet werden müssen.
Der Leasingnehmer (LN): Fährt die kommenden Jahre einen garantiebesicherten Wagen zu guten Leasinggebühren. Wichtig ist natürlich, auf die Vertragsform zu achten. Bei einer Kilometerabrechnung besteht ja schließlich kein Restwertrisiko für den Zahler und partizipiert von den teilweise übertriebenen Restwertprognosen einzelner Hersteller. Logisch: hoher Restwert bedeutet zugleich niedrige Leasingrate.
Zu nennen ist hier beispielsweise BMW. Die knallen Konditionen in den Markt, dass dir als markenfremder Händler echt nur ko...übel werden kann. (Arbeite selbst in einem Autohaus und bekomme ständig die Angebote des hiesigen BMW-Händlers unter die Nase gehalten). BMW arbeitet scheinbar mit massiven Restwertstützen, die am Ende der Vertragslaufzeit vom zurücknehmenden Händler beantragt werden können. Dieser kann sich somit relativ brauchbar absichern.
Beim Kilometerleasing steht der LN im Restwertrisiko. Das bedeutet, am Ende der Laufzeit wird der Zeitwert mit dem kalkulierten Restwert verglichen und etwaige negative Differenzen sind vom LN nachzuzahlen. Beim heutigen Kfz-Marktgeschehen ist das natürlich unkalkulierbar. Da hilft nur entweder gleich einen Kilometervertrag abzuschließen oder mit einem niedrigen Restwert rechnen. Aber dies zieht natürlich höhere LR nach sich. Und diese will ja auch kein Käufer aktzeptieren. Oder man übernimmt das Fahrzeug einfach zum Laufzeitende und zahlt den vereinbarten Restwert. Wäre also quasi ´ne Finanzierung mit Schlußrate.
Ist im übrigen eine neuzeitliche Pest: Kaum jemand ist noch bereit, für Service (auch über höhere Kaufpreise) einen angemessenen Betrag zu zahlen. Du sollst praktisch immer der billigste sein und aber bitte den besten Service bieten. Angefangen natürlich vom kostenfreien Ersatzwagen bis zu großzügigen Kulanzen bei technischen Problemen, die nicht mehr vom Hersteller getragen werden. All diese Leute sind mitschuldig am momentanen Dilemma. Nicht nur die Autoproduzenten. Aber das nur nebenbei.
Kommen wir zur Sicht des Händlers: Dieser kann durch (hoffentlich) konkurrenzfähige Raten einen Autoverkauf tätigen. Dies sichert ihm ein relativ stabiles Werkstatt- und Teilegeschäft und hilft auch, eventuelle Jahres- bzw. Monats- oder Quartalszielerfüllungsprämien einzustreichen. Blöd nur, wenn diese Ziele trotzdem nicht erreicht werden. Wenn allerdings am Ende der Leasingvertragslaufzeit der Händler für den Restwert einstehen muss, kann er sich gleich mal von einer rosigen Zukunft verabschieden. Bekommt dann ein viel zu teures Auto in seinen Bestand gedrückt, auf das er vielleicht wegen einer etwas angespannten Liquidität gar nicht scharf ist. Und bei allen Glück hat er wahrscheinlich auch wegen hoher Nachlässe noch nicht mal beim Verkauf ein brauchbares Geschäft erzielt. Da hilft von Seiten des Handels nur noch striktes Risikomanagment. Einfach auch mal ein Sch... Geschäft ablehnen und risikoavers agieren.
Achso, nochetwas: was die Restwertstützen der Hersteller angehen, die Folgen sehen wir mal wieder bei BMW. Die Rückstellungen für diese Stützen reichen inzwischen fast schon in den Milliardenbereich und belasten erheblich die Erträge. Ein Ende ist m.E. nicht in Sicht.
So, hoffe euch ein wenig gelangweilt zu haben und wünsche noch einen schönen börsenfreien Abend. :-) Beschäftigt euch einfach mal mit eurer Frau.
StPi
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