Argumente gegen weitere Zinserhöhungen durch die EZB
Der Euro mußte gestern wieder einen Teil seiner Gewinne gegenüber dem Dollar abgeben, aber die Verluste blieben aufgrund der falkenmäßigen Haltung der EZB begrenzt. EZB-Präsident Trichet äußerte sich gestern wieder öffentlich und wiederholte die Kommentare, die er bereits am letzten Donnerstag geäußert hatte. Während die Einzelhandelsumsätze im Jahresvergleich mit einem Anstieg von 0,9 fester ausgefallen sind, dümpelt die Erholung der Eurozone vor sich hin. Die Einzelhandelsumsätze sind im Monatsvergleich um 0,8% gestiegen. Der Einkaufsmanagerindex des Einzelhandels ist mit 49,6 gegenüber 49,7 im Vormonat schwächer ausgefallen, was auf den ersten Blick enttäuschend sein mag, aber die verbesserten Aktivitäten in Frankreich sind dennoch ermutigend. Der Markt hat bereits eine weitere Zinserhöhung um einen Viertelpunkt eingepreist. Aber es gibt eine Wahrscheinlichkeit von 50:50, daß die Zinsen bis zum Ende des Jahres 3,00% erreicht haben werden. Angesichts des Kommentars von Trichet, daß die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank "akkommodierend bleibt", sollte der Markt mit noch zwei weiteren Zinserhöhungen rechnen. Aber die Trader dürften aufgrund der konservativen Haltung der EZB vorsichtig reagieren. Ein gutes Argument gegen weitere Zinserhöhungen durch die EZB äußerte der Volkswirtschaftler Nouriel Roubini, indem er sagte, daß die EZB den wirtschaftlichen Aufschwung durch weitere Zinserhöhungen bedrohen würde. Er betonte, daß die Erholung trotz verbesserter Daten von einem sehr niedrigen Niveau ausginge (1,28% im vierten Quartal), wobei die Kerninflation derzeit sinkt. Er rät der EZB stattdessen abzuwarten, bis deutliche Signale für eine umfassende und stabile Erholung der Eurozone erkennbar sind, bevor sie die Geldpolitik weiter strafft. Aber die EZB hält sich wohl an ihre Aufgabe als Inflationswächter, was die letzten Kommentare zu bestätigen scheinen.
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