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DJ Schäuble warnt vor ungelösten Problemen im Bankensektor Dow Jones
§ BERLIN (Dow Jones)--Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat vor einer vorschnellen Entwarnung in der gegenwärtigen Krise gewarnt. "Das Finanzsystem ist nach wie vor anfällig, die Unsicherheit unter den Marktteilnehmern ist weiterhin groß und die Probleme im Bankensektor sind nicht gelöst", sagte Schäuble laut Redemanuskript am Freitag beim 19. Frankfurt European Banking Congress. "Ich hoffe, dass niemand glaubt, wir hätten die Krise schon überstanden", sagte der Minister weiter. Die Krise dauere noch an.
Zwar hätten sich dank der massiven staatlichen Unterstützung und der Liquiditätshilfen der Zentralbanken die Verhältnisse auf den internationalen Finanzmärkten seit dem Frühjahr mehr und mehr entspannt. Was die Realwirtschaft betreffe, bestehe unter Experten Einigkeit darüber, dass Deutschland die konjunkturelle Talsohle zur Jahresmitte 2009 durchschritten habe. "Trotzdem ist es für eine Entwarnung zu früh", sagte Schäuble.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) habe Anfang Oktober festgestellt, dass im Bankensektor mehr als die Hälfte der Wertberichtigungen noch bevorstehe. Zudem müsse davon ausgegangen werden, dass 2010 auch in Deutschland durch zunehmende Unternehmensinsolvenzen und die Auswirkungen steigender Arbeitslosigkeit weitere Belastungen auf die Bankbilanzen zukommen.
Die Erholung werde nach wie vor zu einem nicht geringen Teil von den in- und ausländischen Konjunkturprogrammen getragen. "Von einem selbsttragenden Aufschwung sind wir gewiss noch ein gutes Stück entfernt", sagte Schäuble.
Dennoch müsse bereits jetzt damit begonnen werden, sich Gedanken über den Ausstieg aus den konjunkturellen Unterstützungsmaßnahmen zu machen. Eine expansive Wirtschaftspolitik sei auf Dauer nicht durchzuhalten. Sie gefährde die Tragfähigkeit der öffentlichen Haushalte und die Geldwertstabilität und liefe Gefahr, die Basis für die nächste Blasenbildung und damit für eine nächste Finanzmarktkrise zu legen, warnte Schäuble.
Als denkbares Szenario hält der Bundesfinanzminister, dass die globale Überschussliquidität auf den Märkten für Vermögenswerte eine neue Blase schafft. "Dass Niedrigzinswährungen wie der amerikanische Dollar vermehrt als Basis für 'Currency Carry Trades' genutzt werden, sollte zu denken geben", sagte Schäuble. Im Falle einer abrupten Umkehr dieser Geschäfte drohten enorme Turbulenzen an den Märkten, einschließlich der Devisenmärkte.
Schäuble sagte, in einer solchen Situation komme den Notenbanken nicht nur allein die Verantwortung für die Inflationsbekämpfung zu, sondern auch für die Sicherung der Finanzmarktstabilität. "Dies schließt das Verhindern von Blasen ein", sagte Schäuble.
Einige Leitlinien für solche Exitstrategien seien bereits erkennbar. Der Ausstieg aus den staatlichen Sicherheitsnetzen sollte transparent, schrittweise und international koordiniert erfolgen. Aber noch sei es für einen Ausstieg aus den Stabilisierungsmaßnahmen zu früh. Da die Krise andauere, müsse die staatliche Seite noch weiter helfen, um die Erholung der Wirtschaft und die Stabilisierung des Finanzsystems nicht zu gefährden.
Webseite: www.bundesfinanzministerium.de -Von Beate Preuschoff, Dow Jones Newswires, +49 (0)30 - 2888 4122, beate.preuschoff@dowjones.com DJG/bep/apo Besuchen Sie auch unsere Webseite http://www.dowjones.de
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November 20, 2009 07:26 ET (12:26 GMT)
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§Quelle: Dow Jones 20.11.2009 13:26:00
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