US-Aktienfonds: Das schlimmste Jahr seit 1974 Von Kathie O?Donnell
US-Aktienfonds haben in den ersten acht Monaten dieses Jahres die schlechteste Performance eingefahren, seit der Aktienmarkt 1974 durch das Öl-Embargo der arabischen Staaten erschüttert wurde.
Im Schnitt haben die Aktienfonds bis Ende August 13,9 Prozent ihres Wertes verloren, zeigen vorläufige Daten des Fondsbeobachters Lipper. Lediglich die ersten acht Monate des Jahres 1974 brachten den Fonds mit 22,4 Prozent ein größeres Minus. "So, wie sich die Wirtschaft zurzeit entwickelt, wird es erst einmal noch schlechter, bevor es wieder besser werden kann", warnt Steven Tuen, Manager des Kinetics Internet Emerging Growth Fund.
Die Technologiefonds
Am heftigsten hat es die Technologiefonds gebeutelt, die 41,4 Prozent verloren haben. Derart heftig ist noch keine Fondskategorie während der ersten acht Monate eines Jahres eingebrochen, seit Lipper 1959 mit seinen Beobachtungen begann. Das schwächste Wirtschaftswachstum seit acht Jahren hat sich in den USA vor allem bei den Aufträgen für Technologieunternehmen bemerkbar gemacht. Telekomgesellschaften wie Nortel Networks und Juniper Networks haben seit Anfang des Jahres zwischen 80 und 90 Prozent ihres Börsenwertes verloren. Zu den Schlusslichtern bei der Performance gehören der Berkshire Technology Fund, der 72 Prozent verloren hat, der Merrill Lynch Focus Twenty Fund (minus 67 Prozent) und der JP Morgan H&Q Technology Fund mit einem Verlust von 60 Prozent.
Besser als Aktienfonds haben sich in diesem Jahr US-Anleihefonds geschlagen, die nach Daten von Bloomberg 5,1 Prozent zulegen konnten. Ein noch besseres Bild bieten Aktienfonds, die sich auf Edelmetall- oder Immobilienwerte konzentrieren. Sie konnten 13 beziehungsweise 9,2 Prozent gewinnen.
Klein, aber erfolgreicher
Die beste Performance unter den diversifizierten Aktienfonds bieten Fonds, die in kleine, unterbewertete Unternehmen investieren. Diese Small-Cap-Value-Fonds liegen für dieses Jahr mit durchschnittlich 9,2 Prozent im Plus, obwohl sie im August 1,6 Prozent verloren haben. "Überall höre ich die Leute stöhnen, wie schlimm die Zeiten sind, aber uns geht es prächtig", freut sich John Rogers, Gründer von Ariel Capital Management aus Chicago. "Wir haben uns wie immer auf Unternehmen mit langsamer, aber konstanter Wertentwicklung konzentriert, und die schneiden in einem schwierigen Markt offenbar besonders gut ab." Der von Rogers verwaltete Ariel Fund hat im letzten Monat 3,5 Prozent zugelegt und liegt für die vergangenen zwölf Monate mit 9,9 Prozent im Plus.
Die Aktien kleiner Unternehmen seien trotz ihrer Kursgewinne in diesem Jahr immer noch Schnäppchen, empfiehlt Todd Vingers, Co-Manager des American Century Small Cap Value Fund. Der Abschlag auf Small Caps, "der bisher riesig war, ist ein wenig abgebaut worden", erläutert Vingers. Vollständig verschwunden sei er jedoch noch lange nicht. "Die einzige Frage ist: Wird er noch in diesem Jahr oder erst innerhalb der nächsten fünf Jahre abgebaut?"
Die Technologiefonds, die in diesem Jahr überdurchschnittlich gut abgeschnitten haben, verdanken ihr hervorragendes Ergebnis der Diversifizierung in eigentlich nicht zum Tech-Bereich gehörende Branchen wie Zeitungen und Kabelfernsehgesellschaften. Duncan W. Richardson, Co-Manager des Eaton Vance Information Age Fund, hält 20 Prozent des Anlagekapitals seines Fonds in Medienwerten. Seine größte Position ist das Kabelfernsehunternehmen Comcast. Der Information Age Fund ist im August um 4,2 Prozent gefallen und hat in diesem Jahr 22 Prozent verloren. Damit schlägt er gleichwohl 90 Prozent seiner Konkurrenten. "Wir diversifizieren in jede nur mögliche Richtung", erklärt Richardson seine Anlagestrategie.
© 2001 Financial Times Deutschland
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