Diese Woche meldet Halyk seine Halbjahreszahlen. Was können wir erwarten?
Als Prognoseziel für 2024 hatte der Vorstand einen Anstieg des Gewinns um etwa 15 % auf ca. 800 MRD Tenge angekündigt. Davon war man im 1 Quartal mit 178 MRD Tenge anteilig doch ein deutliches Stück entfernt. Auch im Vorjahresvergleich gab es einen Rücksetzer. Lag es hauptsächlich an den Gewinnauswirkungen durch die vorzeitige Rückzahlung der staatlichen Unterstützung an eine Tochterfirma? Womit ist jetzt zu rechnen?
Sieht man sich die Zahlen der kasachischen Nationalbank an (
https://www.nationalbank.kz/en/news/banks-performance/rubrics/2186), so lässt das 2 Quartal doch eine deutliche Steigerung gegenüber dem 1. Quartal von rund 30 % vermuten. Ich wäre jedenfalls von einem Quartalsgewinn von 230 MRD Tenge bzw. ca. 21 Tenge/Aktie nicht überrascht. Damit wäre man auch wieder voll in der Spur, seine ambitionierten Jahresziele zu erreichen.
Unterstellt man ein ähnlich erfolgreiches 2. Halbjahr, so läge man in einem Bereich von etwa 80 Tenge Gewinn/Aktie. Für uns als GDR-Halter (40 Aktien je GDR) wären das pro GDR 3.200,-- Tenge, was beim heutigen Kurs etwa 6,10 ? entsprechen würde. Bei der aktuellen Dividendenpolitik mit einer Mindestausschüttung von 50 % würden wir von einer Jahresdividende 2025 von etwa 3,-- ? sprechen.
Wir reden also weiterhin von einer Aktie mit aktuell etwa 18 % Dividendenrendite und einem KGV von unter 3. Zudem werden wir vielleicht schon bei den Halbjahreszahlen Neues zu der beabsichtigten 2. Dividendenzahlung für 2024 hören, die etwa bei 0,50 ?/GDR liegen dürfte. Ich persönlich erwarte eine Ausschüttung am ehesten im November.
Es scheint also alles genau wie vor zwei Jahren zu sein, eine Dividende die fast an 20 % heranreicht und ein KGV unter 3. Warum springt der Kurs dann nicht deutlicher an?
Die in der letzten Zeit etwas schwächelnde Währung spielt, glaube ich, keine entscheidende Rolle, die Abwertung beträgt auf Jahressicht weniger als 10 %. Das wird durch die Gewinnsteigerung locker aufgefangen. Ich vermute, die Gründe sind unverändert in erster Linie politischer Natur.
Der Mehrheitseigentümer bleibt die Familie des früheren Präsidenten, mit allen Risiken und Nebenwirkungen. Alle unternehmerischen Entscheidungen werden letztlich von ihr getroffen.
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Wie stark der Druck der aktuellen Regierung auf die Halyk-Bank ist, lässt sich von außen nur schwer einschätzen. Die kurzfristige Rückzahlung der staatlichen Unterstützung im 1. Quartal dieses Jahres muss nicht zu 100 % freiwillig erfolgt sein. Im Prinzip kann die Regierung im schlimmsten Falle die Daumenschrauben extrem anziehen. Das Szenario ist nicht sehr wahrscheinlich, da die Reputation auf dem Kapitalmarkt davon erheblich betroffen wäre, aber ganz auszuschließen ist es nicht.
Es erscheint ziemlich sicher, dass die kasachische Wirtschaft, und natürlich insbesondere auch die Banken, durch die Sanktionen gegen Russland aktuell eine Sonderkonjunktur erlebt. Das kann sich schnell ändern.
Weiterhin besteht aus meiner Sicht die (nicht sehr wahrscheinliche) Gefahr, dass Kasachstan von den westlichen Staaten stärker als Sanktionsbrecher eingestuft wird und dann ebenfalls von bestimmten Maßnahmen betroffen sein könnte.
Fazit: Sollten meine Erwartungen an die Halbjahreszahlen sich einigermaßen erfüllen, so haben wir weiterhin ein Gewinn- und Dividendenmonster, welches in der Form seinesgleichen sucht. Aufgrund der diversen, vor allem politischen, Risiken bleibt es jedoch ein Ritt auf der Rasierklinge. Jeder sollte sich genau überlegen, ob und in welchem Umfang er bereit ist, ein solches Risiko zu tragen.