Die Klimaritter, eine antikapitalistische Revolte

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neuester Beitrag: 16.06.19 13:28
eröffnet am: 01.05.16 00:56 von: lumpensamm. Anzahl Beiträge: 2068
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01.05.16 00:56
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9793 Postings, 5497 Tage lumpensammlerDie Klimaritter, eine antikapitalistische Revolte

Ich habe lange damit gerungen, dem Thema ein weiteres Forum zu geben. Einmal, weil ein Skeptiker oder Kritiker der ganzen Klimahysterie für gewöhnlich als Verschwörungstheoretiker abgestempelt oder gleich in eine rechte, wenn nicht noch dubiosere Ecke gestellt wird. Aber auch, weil das Thema in allen Foren und Facetten schon ausführlich diskutiert wird und ein Zugewinn an Erkenntnissen fast nicht mehr möglich ist.

Was mich letztendlich doch dazu bewegt hat, ist erstens die steigende Unverfrorenheit der AGW (Anthropogenous Global Warming) Protagonisten in dieser Debatte gerade in den letzten Jahren. Und es ist die kritiklose Akzeptanz der kontraproduktiven Maßnahmen, die auf Basis dieser Propaganda getroffen werden. Wie Lämmer werden wir hier zur Schlachtbank geführt und keiner murrt, weil keiner merkt, was wirklich geschieht: Der größte antidemokratische und antikapitalistische Coup seit der Nachkriegsordnung.

Für die Mehrheit dürfte das schwer vorstellbar sein, zumal alle Medien und alle politischen Parteien, und das sogar fast weltweit unisono meinen, dass die CO2 Emissionen unser Klima in einer für uns gefährlichen Art und Weise beeinflussen. Garniert wird diese Einstimmigkeit von einem breiten wissenschaftlichen Konsens (97% der Klimawissenschaftler bestätigen das).

Deshalb kann nur ein Narr sein, der hier dagegen hält. Nun ja, ich bin so ein Narr. Ich kann mittlerweile sogar verstehen, wie man mit dieser spin story so weit kommen kann. Wenn in unseren Schulen offiziell der Al Gore Film "Eine unbequeme Wahrheit", der mehr Lügen als Wahrheiten enthält (das IPCC selbst hat mit der bestätigten Unnachweisbarkeit der Zunahme von Extremwetterereignissen die meisten Hauptthesen des Films widerlegt), gezeigt werden darf, dann wird man quasi immunisiert gegen die AGW-Kritik. Wenn fast alle globalen Temperaturrohdaten geheim in den Händen der AGW Protagonisten (Nasa GISS - Hanssen bzw. Hadcrut - Phil Jones) sind, denen aber von den Medien uneingeschränktes Vertrauen entgegengebracht wird, obwohl die daraus errechneten historischen Temperaturen sich mit schöner Regelmäßigkeit und haarsträubenden Begründungen auf wundersame Weise nachträglich hin zu mehr Erwärmung ändern, dann ist es auch kein Wunder, dass wir glauben, die Erde könnte durch unser CO2 verglühen, wo doch schon vor Jahrmillionen das Zigfache an CO2 Konzentrationen herrschten, ohne dass genau das geschah, was wir jetzt erwarten. Also Hut ab! Es hat geklappt. Alle sind eingelullt und es wird bereits kräftig an der politischen Umsetzung gearbeitet.

Die wirtschaftlichen und politischen Konsequenzen sind eigentlich leicht absehbar. Aber es stört offensichtlich niemanden, dass Kritiker der AGW Thesen mittlerweile nicht mehr nur beruflich sondern auch rechtlich belangt werden (Roger Pielke Jr. https://theclimatefix.wordpress.com/ oder Lennart Benngston http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/...-gwpf-aus-a-969382.html). Es stört auch niemanden, dass wir eine Energiepolitik aufsetzen, die uns erstens abhängig vom Ausland macht, mit der wir zweitens den zukünftigen Bedarf gar nicht mehr decken können und die drittens die Energiepreise steigen lassen wird, so dass große Teile der Bevölkerung deutliche Einschränkungen werden hinnehmen müssen. Und zu allerletzt stört es jemanden, dass selbst, wenn alles so wäre wie behauptet, gar keine Lösung zu dem Problem existiert. Denn wir erzeugen derzeit (und das schon trotz aller jüngsten Maßnahmen seit 20 Jahren konstant!) 13% der globalen Energie nicht fossil. Bis zum Jahr 2050 müsste dieser Wert bis auf 80% steigen, wenn wir die befürchtete Klimakatastrophe vermeiden wollten. Der Glaube macht sicher selig. Das Beste daran ist jedoch, dass auch den AGWlern dieses Dilemma bewusst ist und im Kleingedruckten ganz unverblümt von der notwendigen Transformation der Gesellschaft und Wirtschaft gesprochen wird. Also zurück in die Steinzeit!

SChließlich und gleichzeitig als Einstieg in den Zweifel will ich nur mal die globalen CO2 Emissionen direkt den vom IPCC (Basis = Hadcrut bzw. GISS) veröffentlichten globalen Temperaturen gegenüberstellen. Die einzelnen Phasen, in denen CO2 und Temperatur gleich- bzw. gegenläufig waren, habe ich farblich gekennzeichnet.

More to follow.
 
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07.06.19 13:17
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9793 Postings, 5497 Tage lumpensammlerDa gibts noch viel zu tun

Alle paar Hunderttausend Jahre wechseln Nord- und Südpol die Positionen. Das ist Business as usual. Man kann in bestimmten Zeitfenstern auch Korrelationen mit dem Klima festmachen, denn z.B. Temperaturen und v.a. Meeresspiegel korrelieren im Gegensatz zu CO2 nahezu perfekt mit der SAA. Aber: correlation is no causation! Ansonsten kann's natürlich auch umgekehrt sein und wir sind wieder mal Schuld. Dieses Narrativ hat sicherlich die größten Chancen, Anhänger zu finden, auch wenn wir mit den Polwechseln Millionen Jahre zuvor wenig zu schaffen hatten. Vielleicht warens damals die Termiten, die bekanntlich soviel CO2 emittieren wie wir.

Ich denke, wir müssen weiter auf die Hochzeit von Gravitation und Elektromagnetismus warten, oder die Verlobten schmeißen vorher wieder hin.

https://www.nasa.gov/topics/earth/features/2012-poleReversal.html
https://en.wikipedia.org/wiki/South_Atlantic_Anomaly
https://journals.plos.org/plosone/...?id=10.1371/journal.pone.0207270
https://www.pbs.org/newshour/science/...ping-thanks-to-climate-change
https://news.nationalgeographic.com/2018/01/...h-south-poles-science/
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Überall ist der Irrtum obenauf und es ist ihm wohl und behaglich im Gefühl der Majorität
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08.06.19 00:40

9793 Postings, 5497 Tage lumpensammlerWenn

alles rational gelaufen wäre, würden wir über das Klimaproblem gar nicht diskutieren. Hätten nicht die Soylent Greens und die ersten grünen Katastrophenjünger in den Siebziger Jahren so ein Tamtam um die Kernenergie und anschließend jedwede Technologie gemacht, gäbe es keine Energiewende. Die Kerntechnik hätte sich stillschweigend weiterentwickelt. Tschernobyl wäre zwar genauso hochgegangen wie ohne die Panikmache, aber die Opferzahlen waren angesichts der Katastrophe aufgrund lausiger Sowjettechnologie  und himmelschreiender menschlicher Fehler ein Witz. Fukushima war sogar noch mehr Bestätigung der Kerntechnik als Tschernobyl. Exakt Null Todesopfer trotz mehrfacher Kernschmelze. Besser hätte es nicht laufen können. Um den finalen Knopf dran zu machen, entdeckte man vor ca. 15 Jahren, dass kleine Strahlendosen sogar eine krebsimmunisierende Wirkung (Hormesis) haben kann. In Taiwan wurde in den 80ern versehentlich radioaktiv verseuchter Stahl in einem riesigen Appartmentkomplex verbaut. Nach 20 Jahren bemerkte man das und die Bewohner wurden intensiv untersucht. Es stellte sich heraus, dass sie nur einen Bruchteil der normalen Krebsrate zeigten. Das Gegenteil der Befürchtung war eingetreten.

Stattdessen etablierte sich eine Antiatomkrafthysterie. Aufgrund bereits widerlegter LNT-Hypothesen wurden statistische Tote berechnet, die es real nicht gab. Dieser Unfug wurde mit der grünen Propaganda ins öffentliche Kleinhirn gebrannt. So wurden aus den 30 tatsächlichen Todesopfern in Tschernobyl schnell Tausende bis Hunderttausende.
https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/...hernobyl-unglueck-1.2965967

Dieser Unfug spukt noch heute in unseren Hirnen und Medien. Nicht nur das! Die Atomchimäre wurde sogar erfolgreich geklont. Das LNT Hirngespinst wurde mittlerweile höchst effizient auf die Luftschadstoffe übertragen. Plötzlich starben wir in Scharen an Kleinstkonzentrationen von Ozon, Partikeln und sogar Stickstoffdioxid. Hanebüchene Methodik und ein intellektuell unterirdischer Zirkelschluss erlaubten die Proliferation entsprechender ?wissenschaftlicher? Studien. Damit war auch diese Gefahr amtlich besiegelt, obwohl es kein einziges reales Opfer gab. Reine Fiktion. Die Wissenschaft, die schon bei den atomaren Opfern mit denselben lausigen Statistiktricks den Teufel an die Wand malte, hatte ein Geschäftsmodell entwickelt. In Symbiose mit den NGOs konstruierte man gefährliche Schattenseiten des lasterhaften Konsums und verkaufte fiktive Gefahren wie geschnitten Brot.

Wennn also all dies nicht passiert wäre, hätten wir in den 90ern bereits 40%-60% Atomkraftanteil gehabt und hätten heute vermutlich bereits den ersten Gen IV Reaktor in Deutschland stehen. Die Mitteilung, dass CO2 eventuell ein Problem werden könnte, hätte uns gar nicht interessiert. Es wäre max. eine Randnotiz in der Rubrik Vermischtes gewesen. Denn jedem wäre klar gewesen, dass man bald nahezu 100% atomar versorgt sein würde. Aufgrund der Millionenfach höheren Energiedichte atomaren Brennstoffs hätte man auch gar nicht mehr über Ressourcenengpässe gesprochen. Ebensowenig wäre der auf einem Fußballfeld gesammelte Atommüll von 50Jahren Kernenergie in Deutschland ein Thema gewesen, denn die neuen Reaktoren nutzten ihn als Brennstoff.

Aber leider lief es nicht so. Heute glauben wir nicht nur den Unfug über NO2, Partikel oder Strahlung, wir schicken sogar Kinder und blauhaarige Quacksalber vor, um unsere Politiker auf die Linie der Unterbelichteten zu bringen. Das Beste ist, das funktioniert auch noch. Merkel hat mal wieder Klima-Gutachten in Auftrag gegeben. Nach der Sommerpause soll es zur Verkündung der überraschenden Erkenntnis kommen. Also in Deckung gehen. Es hagelt wieder Gefahren, Regulierungen und Abgaben. Die glorreiche Wissenschaft hats gesagt. Der Tod ist sicher, echt jetzt!

Wer mal auf die andere Seite der Realität blicken möchte:
https://www.salonkolumnisten.com/oekodiktatur-und-oekomoderne/
https://www.novo-argumente.com/artikel/...n_asteroid_sondern_diabetes
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Überall ist der Irrtum obenauf und es ist ihm wohl und behaglich im Gefühl der Majorität

08.06.19 06:00
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39620 Postings, 4027 Tage FillorkillSo wurden aus den 30 tatsächlichen Todesopfern in

Diese These kann man getrost unter Gegenpropaganda einsortieren. Mit welchem Anteil das aus dem Reaktor entwichene Gift zu ernsten gesundheitlichen Belastungen bis hin zu solchen mit unmittelbarer und mittelbarer Todesfolge unter den Kontaminierten bis zum heutigen Tag beigetragen hat lässt sich logischerweise nur schätzen. Das man diesen Anteil nur schätzen kann bedeutet jedoch nicht, dass es diesen empirisch nicht gibt.  
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# another europe

09.06.19 00:42

9793 Postings, 5497 Tage lumpensammler... lässt sich logischerweise nur schätzen

Das sagt die UN (UNSCEAR) dazu:


The interpretation and communication of radiation risk projections is fraught with difficulties, because it is not easy to communicate their intrinsic limitations adequately.

As discussed previously in the section on the attribution of effects to radiation exposure, because presently there are no biomarkers specific to radiation, it is not possible to state scientifically that radiation caused a particular cancer in an individual. This means that in terms of specific individuals, it is impossible to determine whether their cancers are due to the effects of radiation or to other causes or, moreover, whether they are due to the accident or background radiation. The situation with the ARS survivors of the accident is fundamentally different since each of them is known by name and ARS was diagnosed and attribution to radiation exposure was based on conclusive medical findings. However, projected numbers of stochastic effects in anonymous individuals could be misunderstood to be of a similar nature to actual identified cases.

An additional misunderstanding occurs regarding the nature of the evidence for stochastic effects from studies of exposed populations. For example, there is reasonable evi- dence that acute radiation exposure of a large population with doses above 0.1 Sv increases cancer incidence and mortality. So far, neither the most informative study of the survivors of the atomic bombings nor any other studies of adults have provided conclusive evidence for increased incidence of carcinogenic effects at much smaller doses [U3, annex A of U1].

Because of the absence of proper experimental evidence, the dependence of the frequency of adverse radiation effects on dose can be assessed only by means of biophysical models, among which, the LNT model has been used widely for radiation protection purposes [B48, U3]. However, others have been suggested, including superlinear and threshold ones, and even models assuming hormesis. It is important to understand the considerable statistical uncertainty associated with any projection based on modelling, which lends itself rather to estimations that are within an order of magnitude or even more.

The currently available epidemiological data do not provide any basis for assuming radiogenic morbidity and mortality with reasonable certainty in cohorts of the resi- dents of the areas of the three republics and other countries in Europe who received total average doses of below 30 mSv over 20 years [A11, C1, C11, R4, T4]. Any increases would be below the limit of detection. At the same time, it cannot be ruled out that adequate data on the effects of low-dose human exposure will be obtained as further progress is made in understanding the radiobiology of man and other mammals, and using this knowledge to analyse the epidemiological data. This may provide in the future the scientific basis for evaluating the radiation health consequences of the Chernobyl accident among residents of areas with low radiation levels.

3. UNSCEAR statement

The Committee has decided not to use models to project absolute numbers of effects in populations exposed to low radiation doses from the Chernobyl accident, because of unacceptable uncertainties in the predictions. It should be stressed that the approach outlined in no way contradicts the application of the LNT model for the purposes of radiation protection, where a cautious approach is conventionally and consciously applied [F11, I37].

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Überall ist der Irrtum obenauf und es ist ihm wohl und behaglich im Gefühl der Majorität

09.06.19 01:15

9793 Postings, 5497 Tage lumpensammlerWas UNSCEAR damit sagen will

Im Bereich Strahlung und Krebs sind die Kommunikation und das gesellschaftliche Gedächtnis weit mehr verseucht als die tatsächlichen Opfer. Unglücklicherweise lässt sich die Nichtexistenz von etwas schlecht beweisen. Alle bisherigen Versuche, Kleinstdosen von Strahlung einen Effekt zuzuschreiben wurden widerlegt und damit auch die LNT Hypothese. Das ist aber der Heiligenschrein der Epidemiologen. Nur damit lassen sich Gefahren aus allen Nonevents des Universums zimmern. Um deren shitstorm zu entgehen, beruhigt UNSCEAR am Ende die Gemüter mit dem Hinweis, dass die LNT Hypothese für die Vorsorge natürlich weiterhin angeraten wäre.

Jede Schätzung ist damit aufgrund fehlender Dosis-Wirkungsbeziehung falsch. In nicht wenigen Fällen bewirkt Strahlung sogar das Gegenteil, also eine Immunisierung. Es ist damit am besten und wahrscheinlichsten, bei kleinen Dosen von keinem Effekt auszugehen. Alles andere ist tatsächlich ?Propaganda?.
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Überall ist der Irrtum obenauf und es ist ihm wohl und behaglich im Gefühl der Majorität

09.06.19 01:28

9793 Postings, 5497 Tage lumpensammlerStatistik

Die ist nur im Prinzip richtig, weil die Zahlen falsch aber die Reihenfolge in etwa richtig sind.  Durch Kohle sterben zwar die meisten Menschen (Bergbau), aber die gelisteten Todesopfer sind statistische Partikelleichen, die tatsächlich aus ganz anderen Gründen gestorben sind.

Kernenergie ist die mit riesigem Abstand sicherste Technologie.
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09.06.19 09:29
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39620 Postings, 4027 Tage Fillorkillbewirkt Strahlung...eine Immunisierung

Ach ja ? Tatsächlich bewirkt radioaktive Strahlung grundsätzlich einen zytotoxischen Effekt, der je nach mitgebrachten persönlichen Voraussetzungen, Höhe der Dosis, Dauer der Strahlenbelastung und ihrem Zielort entweder überkompensiert werden kann oder mittelbar resp unmittelbar zu Untergang von Gewebe oder seiner Mutation führen kann. In der Nuklearmedizin wird versucht, diese zytotoxische Eigenschaft gezielt zum Killen von Tumorzellen zu nutzen, die aufgrund ihrer spezifischen Eigenschaften sensitiver auf Strahlung reagieren können als die natürliche Zellumgebung.  In der Antigen-Therapie wird (ua) versucht, Tumorzellen radioaktiv so zu markieren, dass sie für die Immunabwehr (wieder) erkennbar zu werden. Quasi also ein Dual Use Effekt radioaktiver Strahlung, der jedoch nichts für die Behauptung hergibt, sie sei per se eine prima Sache für Gesundheit und immunsystem.

...die Steigerung des Krebsrisikos ist ein statistischer Effekt. Bevor eine Zelle zu einer Krebszelle entartet, muss sie eine Reihe von Mutationen durchmachen, bei der die zelleigenen Abwehr- und Selbstzerstörungsmechanismen ausgeschaltet werden. Solche Mutationen, bei denen der genetische Code der DNA geändert wird, treten auch ? und üblicherweise in sehr viel höherer Zahl ? durch chemische und andere Einwirkungen auf. Radioaktive Strahlung erhöht diese Mutationsrate aber und damit auch die Wahrscheinlichkeit für eine Krebserkrankung...

https://scilogs.spektrum.de/atommuell-debatte/...ve-strahlung-hervor/

...in Industriestaaten sterben durchschnittlich ungefähr 20 % der Bevölkerung an Krebs. Wenn bei einer größeren Nuklearkatastrophe rund 10.000 Menschen einer Strahlenbelastung von 100 Milli-Sievert ausgesetzt sind, so steigt das absolute Krebsrisiko für diese Menschen um 1 % auf 21 %. Von diesen 10.000 Menschen werden im Lauf der nächsten Jahrzehnte also nicht, wie natürlicherweise zu erwarten, 2000, sondern 2100 an Krebs sterben. Aus dieser Statistik lässt sich also herauslesen, dass der Krebstod von 100 Menschen durch Radioaktivität verursacht wurde. Es ist aber nicht möglich festzustellen, welche 100 von den 2100 gestorbenen Personen an den Auswirkungen der Radioaktivität gestorben sind. Einem Krebs sieht man seine Ursachen nicht an...

https://scilogs.spektrum.de/atommuell-debatte/...ve-strahlung-hervor/
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# another europe

09.06.19 10:30
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56335 Postings, 5520 Tage Anti Lemminglumpi ist ja eigentlich sehr intelligent,

aber dass er sich hier ausgerechnet für die Kernenergie stark macht, entwertet seine sonstigen Argumente doch erheblich.

Allein schon das Endlagerungs-Problem (Atommüll strahlt bis zu 100.000 Jahre weiter) ist ethisch nicht zu rechtfertigen. Der Philosoph Hans Jonas hat (in Erweiterung des Kant'schen Imperativs) die Maxime aufgestellt, dass die heute Lebenden nicht das moralische Recht haben, die Umwelt auf Kosten der Ungeborenen zu verdrecken. Verantwortung des Handelns reicht im Technologiezeitalter eben weit über die Lebensspanne der Individuen hinaus.

Von schweren Störfällen, die im laufenden AKW-Betrieb häufig auftraten (Tschernobyl, Harrisburg, Fukushima) ganz zu schweigen. Hinzu kommen etliche kleinere Unfälle in den deutschen und franz. AKW. Es ist statistisch erwiesen, dass Kinder, die im Umkreis von AKW aufwachsen, häufiger an Leukämie sterben. D.h. der gesellschaftliche und gesundheitliche Preis, der für Nuklearenergie gezahlt werden muss, ist viel zu hoch. Sogar Klimaerwärmung ist im Vergleich noch das kleinere Übel.
 

09.06.19 10:39
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9793 Postings, 5497 Tage lumpensammlerAch ja?

Fill, was du beschreibst, ist unbestritten. Es geht um die kleinen Dosen < 0,1 Sv, mit denen die riesigen Opferzahlen konstruiert werden und bei denen, nicht nur, aber auch eine Hormesis festgestellt wird.

PS: Vorsicht bei Scilogs, dort findest du überwiegend politisch gefärbte Wissenschaft. D.h. nicht, dass es immer falsch sein muss, aber die Ausblendung gewisser unangenehmer Ergebnisse bzw. die Fokussierung und Interpretation erzielen einen best. Bias.

https://pdfs.semanticscholar.org/f690/...f0b73dec118ee53903a581ed.pdf
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Überall ist der Irrtum obenauf und es ist ihm wohl und behaglich im Gefühl der Majorität

09.06.19 10:43
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56335 Postings, 5520 Tage Anti LemmingHinzu kommt das Aufheizen der Flüsse

Mehr als zwei Drittel der Primärenergie, die in AKW für die Stromerzeugung verbraucht wird, heizt als Abwärme die Flüsse auf. Dieser Heizeintrag kommt dem Klima ebenfalls nicht zugute. So gesehen könnte man Kernenergie sogar zu den "fossilen Heizstoffen" zählt.

Dies lässt sich auch technisch nicht verbessern. Denn gemäß dem Zweiten Hauptsatz der Thermodynamik liegt der theoretisch maximale Wirkungsgrad von Wärme-Kraft-Maschinen bei 45 Prozent. In der Praxis liegt er eher bei 30 Prozent. Deshalb lassen sich übrigens auch Autos (mit herkömmlichem  Verbrennungsmotor) im Winter so gut heizen. Auch beim Auto wird zwei Drittel der Primärenergie (Benzin, Diesel) in Abwärme umgewandelt.  

09.06.19 10:51
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56335 Postings, 5520 Tage Anti LemmingDer maximale Wirkungsgrad von Wärmekraftmaschinen

liegt gemäß diesem Artikel bei theoretisch 57 %.

https://physikunterricht-online.de/jahrgang-11/...-zweiter-hauptsatz/

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Im Satz unten müsste es korrekt sogar "Großteil" statt "Teil" heißen.


 
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09.06.19 11:08
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2774 Postings, 660 Tage Shlomo SilbersteinDieser Heizeintrag kommt dem Klima ebenfalls nicht

Dieser Heizeintrag kommt dem Klima ebenfalls nicht zugute.

Mit Fernwärme schon weil dadurch fossile Energieträger eingespart werden. Allerdings beim AKW nicht machbar, weil wenn das periodisch abgeschaltet werden muss (alle 2 Jahre) für Brennstoffwechsel, oder eben bei Störfällen. Würde dazu führen, dass den Leuten wochenlang die Bude kalt wird.  

09.06.19 11:15

56335 Postings, 5520 Tage Anti LemmingIch hätte auch keine Lust,

bei AKW-Fernwärme ständig am verlängerten Tropf des Reaktordruckgefäßes zu hängen.  

09.06.19 11:44
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56335 Postings, 5520 Tage Anti Lemming# 057- Das sind doch schnelle Brüter!

Im Text (link 1) werden sie euphemistisch als "schnelle Reaktoren" bezeichnet.

Verräterisch ist aber der Satz:

"Der Reaktorkern des BN-800 wird nicht mit Wasser gekühlt, sondern mit flüssigem Natrium."

Natrium als Kühlmittel ist typisch für Schnelle Brüter.

Natrium ist hochaggressiv und fängt schon bei Kontakt mit Wasser (z. B. Regen) an zu brennen. Dies erzeugt dann Hitze. Am fatalsten aber ist, dass Schnelle Brüter einen positiven Temperatur-Koeffizienten haben. D.h. je heißer die werden (z. B. nach einem heizenden Natrium-Leck), desto schneller läuft der radioaktive Zerfall ab. Deshalb würde eine Schneller Brüter im Katastophenfall auch "hochgehen" wie tausend Hiroshima-Bomben!

Konventionelle AKW haben einen negativen Temperatur-Koeffizient. Da wird der Zerfall umso langsamer, je heißer der Kern wird. Deshalb "enden" die bei einem Unfall wie Tschernobyl und Fukushima in einem Glutball von 3000 Grad , der sich langsam in Richtung Erdinneres frisst (-> Film "China Syndrome").. Bei Kontakt mit der Grundwasserschicht droht dann ebenfalls eine Explosion, allerdings keine nukleare, sondern "nur" eine Dampfexplosion, bei der jedoch hochradiaktives Material über ganze Länder verteilt wird.

So oder so: AKW müssen weg. Da hatte Merkel völlig recht!

Frankreich hat das Experiment mit schnellen Brütern wegen der enormen Gefahren längst eingestellt. Der deutsche Schnelle Brüter in Kalkar wurde 1991 eingestellt - ein Milliardengrab.

https://de.wikipedia.org/wiki/Kernkraftwerk_Kalkar

Dass die Russen die Schnelle-Brüter-Technologie im Griff haben (link 1), wage ich zu bezweifeln. Schon wegen Tschernobyl.  

09.06.19 12:47
1

39620 Postings, 4027 Tage Fillorkillnicht nur, aber auch eine Hormesis festgestellt

Korrelation ist ? Kausalität, hört man bei dir doch öfter.  Wenn ansonsten fitte und nur im Mikrobereich zusätzlich belastete Arbeiter auf einer Atomrestmülldeponie immunologisch bzw epidemiologisch mit der Durchschnittsschnittsbevölkerung abgeglichen werden, kann ihre relative Fittness auch ganz andere Ursachen haben als die heilende Atomkraft. Im Prinzip argumentierst du wie Tabak vor 30 Jahren und die Glyphosatjünger von heute, die den Umstand, dass nur die wenigsten Nikotin- oder Glyphosatleichen kausal zwingend zu 100% auf ihre Produkte zurückgeführt werden können, als 'Gegenbeweis' verwenden wissen wollen. Erkrankungen wie Krebs sind immer multikausal, der Beitrag exogener Noxen kann deshalb nur durch Projektion geschätzt werden.  
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# another europe

09.06.19 14:24

9793 Postings, 5497 Tage lumpensammlerCorrelation Causation & Tabak

Absolut richtig, Fill. Das ist nicht zweifelsfrei statistisch feststellbar. Aber!

1. Gilt das auch für die Behauptung der Konsequenzen bei Kleinstdosen
2. Ist man schon einen Schritt weiter und hat bei Kleinstdosen biologische Reaktionen entdeckt, die die Hormesis nahelegen.
3. Ziehe ich ja einen ähnlichen Schluss wie UNSCEAR, nämlich keine Konsequenzen anzusetzen, also weder positive noch negative

Tabak scheint im linken Milieu heutzutage die Devise zu sein, wenn es gilt Gegenstimmen tot zu machen. Ist im Klimadiskurs nicht anders seit ?Merchants of Doubt?. Guerillataktik.  
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09.06.19 14:26
Ich muss meine Antworten leider zurückstellen, da im Urlaub und am Handy. Danach werde ich das Meiste richtigstellen.  
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09.06.19 16:05
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56335 Postings, 5520 Tage Anti LemmingDanke Lumpi,

Es gibt allerdings nichts richtigzustellen, weil eh schon alles richtig war. ;-()  

14.06.19 16:34

9793 Postings, 5497 Tage lumpensammler@AL

So, jetzt hab ich mal was zusammengezimmert. Generell gilt: Wenn ich Atomkraft oder etwas anderes unterstütze, diskreditiert das nicht meine anderen Argumente, selbst wenn ich bei der Atomkraft falsch läge. Das geht logischerweise nicht, außer du ziehst den Schluss, einmal in einer Sache unrecht, immer unrecht, was empirisch fragwürdig wäre.

Ansonsten hab ih das schnell hingeschrieben, Quellen kann ich besorgen, wenn nötig, den rest, der im Browser noch schnell auffindbar war, lege ich einfach unsortiert in dieses Post

https://cdn.aerzteblatt.de/pdf/104/50/a3460.pdf
https://cdn.aerzteblatt.de/pdf/105/42/m725.pdf
https://www.aerzteblatt.de/archiv/61936/...g-deutscher-Kernkraftwerke
https://pdfs.semanticscholar.org/6a30/...720b0e44e0f968de97fb9b08.pdf
https://journals.sagepub.com/doi/10.2203/...response.09-019.Fornalski
http://dels.nas.edu/resources/static-assets/...ief/beir_vii_final.pdf
http://www.unscear.org/docs/publications/2010/UNSCEAR_2010_Report.pdf
https://academic.oup.com/ije/article/40/5/1247/658876
https://www.nature.com/articles/bjc2013560
https://www.nature.com/articles/bjc2013560
https://www.nature.com/news/2011/110506/full/news.2011.275.html
https://assets.publishing.service.gov.uk/...4617/COMARE14threport.pdf
http://www.bfs.de/SharedDocs/Downloads/BfS/DE/...licationFile&v=4
http://www.bfs.de/DE/mediathek/berichte/doris/doris_node.html
http://www.bfs.de/DE/themen/ion/umwelt/...strahlenbelastung_node.html
https://archiv.bge.de/archiv/www.asse.bund.de/DE/.../radon-karte.html

https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/...?__blob=publicationFile
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Überall ist der Irrtum obenauf und es ist ihm wohl und behaglich im Gefühl der Majorität

14.06.19 16:35
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9793 Postings, 5497 Tage lumpensammlerWieso nuklear? - Teil I - Energie

Es ist die schier unvorstellbare Energiedichte, die atomaren Brennstoff über alles andere erhebt, was an Energiequellen verfügbar ist. Heutige Leichtwasserreaktoren nutzen nur einen Bruchteil des Urans, nämlich das U 235 (ca. 1%). Die restlichen 99% (haupts. U 238) wandern ungenutzt und als teils hoch radioaktiv verseuchter Atommüll ins Depot. Trotz dieses immensen Nachteils, beträgt das Energieernteverhältnis zwischen Kohle und Uran bereits heute 1:50.000 (s. Verhältnis in der Grafik. In der Endausbaustufe werden vermutlich schnelle Brutreaktoren mit Bleikühlung nahezu 100% des Kernbrennstoffs verbrennen und zu ca. 60% in thermische Energie umwandeln. Dann wird man, um beim Vergleich mit Kohle zu bleiben, pro Jahr statt 2,5 Millionen Tonnen Kohle für ein Kohlekraftwerk nur eine Tonne Uran fördern müssen. Den Uranpunkt in der Grafik wird man dann fast nicht mehr sehen.

Weil heutige KKWs prinzipbedingt davon Lichtjahre entfernt sind, ist ein Gesamtwirkungsgrad für ein Kernkraftwerk nicht aussagefähig. Er läge wohl im Promillebereich. Der Grund ist, dass der Brennstoff wegen der "verbotenen" Wiederaufbereitung nur zu einem Bruchteil ausgenutzt werden kann. Das reduziert nicht nur die Brennstoffeffizienz sondern es vergrößert auch das Atommüllproblem dramatisch.

Um diese Probleme zu umgehen, wurden in den Siebziger Jahren die schnellen Brüter entwickelt, die während des Betriebs durch Transmutation des U 238 das Plutonium (und sogar mehr davon) erbrüten, was sie nachher verbrennen. Das war ein steiniger Weg und mit den damaligen und heute noch dominanten Kühltechnologien nicht machbar. Seit einigen Jahren ind jedoch in Russland die ersten schnellen Brüter (aktuell der BN-800), in regulärem Betrieb. Das ist ein Natrium-gekühlter Reaktor, der schnelle Neutronen für die Transmutation nutzt. Deshalb ist bremsendes Wasser als Moderator auch nicht geeignet. Außerdem bietet die größere Spanne zwischen Schmelz- und Siedepunkt des Natriums mehr Sicherheitsreserven. Der BN-800 reduziert den Müll im Vergleich zu einem herkömmlichen LWR bereits um ca. 50%. Die Brennstoffeffizienz steigt entsprechend um das ca.30-fache, verglichen mit einem LWR.

Die nächste Generation (GEN IV) der Reaktoren, mit dabei der geniale aber ungeliebte deutsche Dual Fluid Reactor (DFR), sind so konzipiert, dass sie den Brennstoff zu nahezu 100% verbrennen und dass nur noch ganz wenig schwach strahlender Atommüll (100-300 Jahre Lagerzeit) übrig bleibt.Sie werden auch den heutigen Atommüll verbrennen können, (der heutige BN-800 wird teils mit im Rahmen der Abrüstung ausgemusterten Sprengköpfen betrieben). Das Kühlmittel wird dann entweder Flüssigsalz oder noch wahrscheinlicher Blei sein. Markenzeichen der GEN IV Reaktoren ist die inhärente Sicherheit durch weniger mechanische Bauteile, drucklose Kühlsysteme und selbst abschaltende Spaltungsreaktion.

In dieser Ausbaustufe (ab ca. 2030-2050) wird man auch nicht mehr nur auf Uran angewiesen sein, sondern auch die reichhaltigen Thoriumvorkommen nutzen können. Die Ressourcen sind zwar nicht endlos, aber einige Jahrtausende sollten damit schon drin sein, um vielleicht der Fusion oder etwas anderem Platz zu machen.

Die heutigen geschätzten Reichweitenberechznung von weniger als 100 Jahren gehen von Vorkommen hochdichten Urans und der ineffizienten Nutzung durch LWR aus. In Wirklichkeit sind aufgrund der exorbitanten Energiedichte Rohstoffbedarf und -preis die kleinsten Probleme bei der Atomenenergie, sobald man ab heute verfügbare, schnelle Brutreaktoren oder die der EN IVG ansetzt.

Die GEN III+ und GEN IV Reaktoren werden vornehmlich aus Russland, China und Indien kommen. Da mag einer noch so verächtlich hinblicken, aber dort sieht man die Sache weitaus realistischer und investiert vorurteilsfrei in deren Entwicklung. Deshalb sind sie bereits technologische Vorreiter bzw. werden es in Kürze sein. China hat sich per Joint Venture in das amerikanische Know How zum Molten Salt Reactor eingekauft und wird wohl auch den ersten bauen. Daneben arbeitet man mit Terrapower zusammen und will den ersten Laufwellenreaktor realisieren. Der erste größere, zwar teure, aber inhärent sichere Kugelhaufenreaktor läuft seit 2018 in China. Ebenso ist ein schneller Brutreaktor ähnlich dem russischen BN-800 für die nächsten Jahre in Planung. Man plant in China sehr viele,gfertig entwickelte, anz einfcahe  Niedrigtemperaturreaktoren für die Fernwärmeversorgung der eigenen Städte. Soviel zum Thema, nukleare Fernwärme geht nicht. China hat auch gar keine andere Wahl. Ohne Kernenergie wird der riesige Energiehunger des Landes nicht zu decken sein. Man versucht alles und wird ab 2030  den meistversprechenden Weg massiv ausbauen. China und Russland scheinen sich als Speerspitze der Nukleartechnologie zu etablieren.

Der Westen wird wohl ins Rohr schauen. Man hat sich hier aufgrund der durch jahrzehntelange Propaganda hypersensibilisierten Bevölkerung und der freiwilligen/moralischen/politischen Beschränkung auf die ineffizienten LWR in eine Sackgasse manövriert, die das grüne Gewissen erfolgreich versiegeln konnte. Nur die Erwähnung der Technologie erzeugt hierzulande so entschiedene Abwehrreaktionen, dass wohl erst nachhaltiges Scheitern der Alternative das Mindsetup ändern wird.

Legt man eine Bevölkerung von 11 Milliarden energiehungrigen Menschen in nicht allzu ferner Zukunft zugrunde, werden wir zu extrem effizienten Technologien greifen müssen. Den Planeten mit Abermillionen von energiearmen Windrädern und energiehungrigen Batterien zu verwüsten, die man regelmäßig auch noch neu baut (Milliarden Tonnen von Beton und Stahl), ist alles andere als "nachhaltig" und auch gar nicht praktikabel. Bei der Solarenegergie verhält es sich nicht viel anders. Ebenso werden die fossilen Quellen in absehbarer Zukunft erschöpft sein. Es gibt deshalb mit Ausnahme der Kernenergie keine Technologie, die eine relativ lange, energiereiche Zukunft versprechen kann. Damit ist alles gesagt.

Nach derzeitigem Stand kommt man aus Umweltgründen auch gar nicht an den Brütern vorbei. Deren Effizienz in Bezug auf Umweltbilanzen ist unschlagbar und Energie wäre im Überfluss vorhanden. Statt landintensive Biokraftstoffe wird man zukünftig auf synthetische Kraftstoffe aus GEN IV Rektoren setzen. Mindestens die Prozesswärme für die Industrie wird ebenso von dort kommen. Es macht einfach keinen Sinn, auf 99% der Energie eines Brennstoffs zu verzichten und diesen Verlust obendrein als hochradioaktiven Müll zu deponieren. Aufgrund der Risiken der Technologien die Augen einfach zu schließen und auf ein "nachhaltiges" aber utopisches Wunder zu hoffen, ist ziemlich kindisch. Realistisch und emotionslos betrachtet führt an der Kernenergie kein Weg vorbei.

Die nachhaltige Alternative wäre eine pseudoregenerative Energieversorgung in Verbindung mit einer politischen Lösung wegen der dafür notwendigen globalen Energieaskese. Weil selbst diese Maßnahme nicht ausreichen würde, müsste man darüber hinaus die menschliche Reproduktion global steuern. Das mag manch einem verlockend vorkommen, für die Mehrheit wäre es eine Katastrophe, die todsicher in Totalitarismus und Krieg enden würde.
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14.06.19 16:36
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9793 Postings, 5497 Tage lumpensammlerWieso nuklear? - Teil II - Proliferation

Nimm die am weitesten entwickelten Gesellschaften und du hast den Westen. Das ist eine Momentaufnahme und es ist vollkommen egal, ob es der Westen, Afrika oder Asien wäre. Was im Rahmen der Analyse zählt, ist die Spitze der Entwicklung, ihre Historie und ihr eingeschlagener Weg.

Wir haben Jahrhunderte voller Gewalt und Entdeckungen hinter uns. Noch nie hat sich die Menschheit so rasant von der Barbarei zu Freiheit, Frieden und ungeahntem Wohlstand entwickelt wie im letzten Jahrhundert. Die Gründe waren wissenschaftliche Erkenntnisse und eine sich durchsetzende freiheitliche Grundordnung. Die Entwicklung war so rasant, dass wir erstmals in der Menschheitsgeschichte merklich die Grenzen des Wachstums vor Augen geführt bekommen haben. Jetzt spreche ich nicht vom Klima oder von schwindenden Ressourcen, sondern bereits von der atomaren Technologie. Der Mensch könnte seit ihrer Realisierung nicht nur abergläubisch gefühlt, sondern vollkommen realistisch den Planeten zerstören. Es läge allein in seiner Hand, selbst wenn es nur ein Fehler wäre, der die Katastrophe auslöste.

Die Erkenntnis war ein Schock, der sich nur langsam ausbreitete, der vom wirtschaftlichen Erfolg übertüncht wurde und von dem wir uns immer noch nicht erholt haben. Was sollten wir mit dieser Macht anfangen? Die Vehemenz des Effekts erstreckt sich über die ganze Bandbreite unseres Handelns, das sich zwischen Versuchung und Verdammung spannt.

Das Problem jedoch ist, dass das Wissen nun mal da ist und nicht mehr ausradiert werden kann. Die wenigen Atommächte versuchen seitdem, ihre eigene Macht und vor allem die der Möchtegernmächtigen zu regulieren. Das ist ein äußerst fragiles Gebilde und es verleitet dazu, geostrategische Konflikte zu produzieren, indem die privilegierten Atommächte die Anzahl der Clubmitglieder zu limitieren trachten und gleichzeitig von den Außenstehenden nicht zu den Zusagen (Abrüstung) im Atomwaffensperrvertrag gezwungen werden können. Ein mittlerweile hochkomplexes Überwachungssystem, das nicht nur die militärische Entwicklung sondern auch den größten Teil des globalen Handels umfasst, soll zudem die Proliferation der Technologie verhindern. Eine Sisyphusarbeit, deren vergebene Müh inhärent ist.

In Wahrheit hat nicht dieses unkontrolliert wuchernde und willkürlich gezimmerte System die Proliferation verhindert, sondern die Erkenntnis, dass derjenige, der diese Macht militärisch nutzt, selbst nicht lange leben wird. Mit anderen Worten, es war pure Vernunft und Selbsterhaltung, dass man seit 74 Jahren mit dieser Macht in Frieden lebt. Denn Staaten wie Indien oder Pakistan, die nicht dem Atomwaffensperrvertrag beigetreten sind, sind zu nichts verpflichtet. Sie könnten theoretisch die Technologie willkürlich weitergeben.

Außerdem ist bei weitem nicht in Stein gemeißelt, dass die Regierungen innerhalb des AWSVs ihren heutigen (halb-)demokratischen Status für immer beibehalten werden. Wer weiß z.B., wie die Regierung Russlands in 30 Jahren aussehen und welche geopolitischen Interessen sie dann haben wird?

Wer also glaubt, dass die Verteilung dieser Macht ohne tatsächliche Kontrolle dauerhaft steuerbar wäre, irrt ganz gewaltig. Es ist nur eine Frage der Zeit, des Willens und der Mittel, bis hier der erste böse Bube (Iran, Saudiarabien oder ein afrikanischer Schurkenstaat) in den Kreis der Erlauchten drängt. Wie Atomsprengköpfe von da aus in welche Hände geraten, ist vollkommen offen.

Ob wir in Deutschland nun schnelle Brüter in zivilen Atomkraftwerken einsetzen oder nicht, hat deshalb auf die Proliferation überhaupt keinen Einfluss. Das mag mancher für unmoralisch oder unethisch halten. Es hat nur nichts mit der Realität zu tun. Genau deshalb gibt es auch nur ethische Bedenken. Praktisch ist die Sache vollkommen offen und wird recht hemdsärmelig geregelt.

Summa summarum: Die Proliferation ist keine Funktion ziviler Anwendung in freiheitlichen Systemen, sondern entspringt alleine dem Wissen, Willen und Mitteln, das bereits vorhandene und frei zugängliche Know How auch anzuwenden. Ethische oder moralische Bedenken bezüglich einer zivilen Nutzung sind hier also fehl am Platze. Es wäre wohl anders, wenn sich alle Atommächte verpflichten würden, atomar komplett abzurüsten. Sie halten aber nachweislich nicht einmal partielle Zusagen ein. Des Weiteren müssten alle Länder der Erde verbindlich und überprüfbar aus der zivilen Nutzung der Kerntechnik aussteigen. Solange das nicht der Fall ist, ist die Proliferation kein Argument gegen eine singuläre zivile Anwendung. Die Entsagung verschlechtert nur die eigene Situation, da die moralischen Bedenken global ziemlich heterogen verteilt sind.  
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14.06.19 16:37
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9793 Postings, 5497 Tage lumpensammlerWieso nuklear? - Teil III - Gesundheit

Jetzt geht es um die gesundheitlichen Auswirkungen. Die empirischen Fakten zur Technologie lassen gleichzeitig Schauder und Erstaunen zurück. Einmal wegen der zerstörerischen Kraft, die dahinter steckt und das andere Mal wegen der Ignoranz und Vehemenz, mit der diese Technologie systematisch diskreditiert und regulatorisch abgewürgt wird.

Wie in Teil I bereits angemerkt, ist der Energieinhalt verglichen mit unseren fossilen Quellen exorbitant hoch. Mit der positiven Konsequenz ungeahnter Energiereserven auf der einen und  entsprechend großer potenzieller Zerstörung auf der anderen Seite. Dabei muss man jedoch fundamental zwischen ziviler und militärischer Anwendung unterscheiden. Bei der zivilen Anwendung geht es um die kontrollierte langsame Energieentfaltung, bei der Militärischen um ihr Gegenteil, also die erzwungene, unkontrollierte Energieentgleisung. Beides wird durch komplett unterschiedliche Prinzipien und Medien erzeugt, sie schließen sich damit gegenseitig aus. Der GAU in der zivilen Anwendung ist deshalb nicht die Explosion sondern die Kernschmelze. Die hatten wir bereits dreimal in unterschiedlichen Ausprägungen. Von der Menge her am dramatischsten in Fukushima, von den Auswirkungen her in Chernobyl, wobei dort zur miserablen Technik noch katastrophale menschliche und organisatorische Fehler gesellten. In Fukushima gab es bisher Null Todesopfer und seit 2015 einen Leukämiefall bei einer Rettungskraft, die wohl dem Vorfall zuzuschreiben ist. In Chernobyl sind ca. 30 Todesopfer zu beklagen sowie aufgrund mangelnder Information und Vorsorge ca. 1.500 Fälle (nach Schätzung von UNSCEAR 25% der insgesamt festgestellten Fälle von ca. 6.000) von Schilddrüsenkrebs, die leicht hätten verhindert werden können. In den ersten Jahren der Technologie und durch Spätfolgen kommen noch einmal ca. 40 Todesfälle dazu. Das wars im Wesentlichen, faktisch ca. 1 Toter/Jahr für die 70 Jahre Kernenergie weltweit, wenn man die Frage nach den verborgenen Konsequenzen etwas zurückstellt.

Dem gegenüber stehen Zigtausende reale Opfer aus dem Kohlebergbau und sogar in die Hunderttausende gehende Opfer der Wasserkraft. Neben dem verheerenden Dammbruch in Banquiao (China) mit 170.000-230.000 Opfern gibt es zahlreiche Unglücke auf der ganzen Welt, die selbst in Europa die globalen Opferzahlen der Kernenergie bei weitem übertreffen. In Vega de Terra (ES) waren z.B. 140 und in Vajont (IT) ca. 2.000 Opfer zu beklagen. Es lohnt auch ein Blick auf die deutschen Opfer von zusammen ca. 1.400 Opfern in Möhne und Eder. Die dazugehörigen Dammbrüche gingen zwar 1943 auf Kriegshandlungen zurück, aber das ist ja gerade ein Argument, das oft gegen Kernkraftwerke vorgebracht wird.

Selbst die Wind- und Solarenergie dürften durch Unfälle trotz global lächerlicher Leistung mehr Todesopfer fordern als die Kernenergie. Allein in Deutschland kamen zwischen 2010 und 2015 nachweislich 3 Mitarbeiter bei Bau & Wartung eines Windrads ums Leben. Hochgerechnet auf 70 Jahre, erzeugte Energie und globale Ausbreitung wird man sich schwertun mit der Kernenergie mitzuhalten.

Die realen Opferzahlen sind aber nicht die Ursache des schlechten Rufs der Kerntechnologie. Der entspringt hauptsächlich einer Quelle, nämlich einem statistischen Modell. Das beruht wiederum auf einer mittlerweile widerlegten Annahme, die selbst Befürworter nur noch für die Vorsorge verwendet wissen wollen. Diese Annahme heißt Linear No Threshold Hypothesis (LNT). Dabei misst man die Gefährlichkeit eines Stoffes bei einer hohen Dosis und rechnet seine Gefahr linear nach unten bis zum Nullpunkt. Die Hypothese lautet also, dass es A: keinen Schwellwert für die Strahlungsgefahr gibt, B: die Gefahr linear mit der Dosis ab Null steigt und C: sie aufsummiert wird.

Über diese Hypothese kann man durch Kleinstmengen an Strahlung riesige Opferzahlen und damit überdimensionale Ängste in der Bevölkerung erzeugen. Das passiert vornehmlich durch epidemiologische Studien, die naturgemäß sehr viele Nachteile haben. Da wäre zunächst der Zirkelschluss, dass den Kleinstdosen eine Gefahr zugeschrieben wird und alle festgestellten Effekte, die man nicht erklären kann, dieser Ursache auch zugeordnet werden. Wie bei den Luftschadstoffen auch, lassen sich durch diesen Zirkelschluss fast immer positive Korrelationen erzeugen. Dann wäre die unvoreingenommene Auswahl der Vergleichsgruppe. Je nachdem, wie die zusammensetzt wird, wird das Ergebnis in der Versuchsgruppe ausfallen. Bei den Folgen geht es meist um Krebs, da sind die Fallzahlen mitunter außerordentlich klein. Der Zufall spielt hier naturgemäß eine große Rolle, ebenso wie die genetische Disposition, da Krebs in vielen Fällen eine erbliche Komponente hat. Theoretisch müssten Kontroll- und Studiengruppe zu 100% aus Zwillingen bestehen. Das und viele andere, den Krebs beeinflussende (darunter einige gänzlich unbekannte) Faktoren werden nicht berücksichtigt. Statistiken, auch sehr viele davon, beweisen also gar nichts und ihre Ergebnisse bilden über die Stellschrauben nicht selten das Vorurteil der Autoren ab.

Die LNT Hypothese ist außerdem prinzipiell ziemlich gewagt, da zum Einen der Mensch ständig wechselnden und lokal konstant unterschiedlichen natürlichen Strahlendosen ausgesetzt ist, die deutlich größer sind als die Effekte auf die breite Bevölkerung durch kerntechnische Anwendungen und Störfälle. Zum Anderen passte die LNT Hypothese bereits bei ihrer Formulierung nicht zu den damals vorliegenden Versuchsergebnissen, in denen festgestellt wurde, dass sich die durch kleine Strahlungsdosen beschädigte DNA selbst repariert. Zudem nagen seit ca. 20 Jahren epidemiologische und v.a. biologische Testergebnisse an ihrer Validität. Man will statt negativen Gesundheitseffekten deren positive ausmachen. Darauf deuten nicht nur statistische Untersuchungen, sondern eindeutige klinische Tests an Tieren und Menschen hin. Der positive Effekt wird Hormesis genannt und ist ebenso umstritten wie ihr Counterpart, die LNT-Hypothese.

Dem Statistikerkrieg entziehe ich mich, indem ich sage, dass bei Dosen unter ca. 100 mSv unterm Strich nichts passiert. Die in der Öffentlichkeit gehandelten Gefahren sind deshalb maßlos übertrieben wie die Hysterien um die Gefahren um Partikel und NOx. Nur mit dem Unterschied, dass wir durch unser Auto empirisch-unbewusst an letzteren zweifeln und sie nicht richtig ernst nehmen. Bei Strahlung hingegen denkt jeder an Mutation, Frankenstein, Degeneration, Krebs etc. eben die Schreckensbilder aus den Riesendosen, die man uns grundlos über Jahrzehnte  eingehämmert hat.

Die angehängte Grafik zeigt die Dosen und Effekte recht anschaulich. Casus Knaxus sind die Belastungen unter 100 mSv. Darüber lassen sich statistisch wohl vermehrt Krebsfälle nachweisen. Darunter scheiden sich jedoch die Geister. Wir sind z.B. in Deutschland einer natürlichen Strahlung von ca. 2,4 mSv (schwankt zwischen 1,1 mSv und 10 mSv) ausgesetzt. Das sind 2.400 µSv, die Schwankungsbreite beträgt 9.000 µSv. In der Umgebung von Kernkraftwerken bekäme man ausgehend von Messungen des BfS zusätzlich zwischen 0,1 µSv und 8 µSv ab. Das ist weniger als ein Tausendstel der Schwankungsbreite der natürlichen Exposition in Deutschland. Alleine deshalb sind Behauptungen und Feststellungen zu Effekten durch Kernkraftwerke sehr fraglich. Aber dazu gleich mehr.
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14.06.19 16:38
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9793 Postings, 5497 Tage lumpensammlerWieso nuklear? - Teil IV - Kernkraftwerke und Kind

Das ist wegen seiner Bedeutung ein sehr gutes Beispiel und verdient auch wegen einer ausnahmsweise sehr guten deutschen epidemiologischen Studie dazu eine gesonderte Behandlung. Die Studie nennt sich "Epidemiologische Studie zu Kinderkrebs in der Umgebung von Kernkraftwerken (KiKK-Studie)". Hier sind Vorstellung und Diskussion der Ergebnisse durch den Autor im Ärzteblatt zu finden:

https://www.aerzteblatt.de/archiv/61936/...g-deutscher-Kernkraftwerke

In dieser weltweit viel beachteten Studie stellte ein Team deutscher Epidemiologen fest, dass im 5-km-Umkreis von Kernkraftwerken das Leukämierisiko für Kinder unter 5 Jahren um 120% erhöht war. Bumm! Wäre es eine normale epidemiologische Studie gewesen, hätte man wie fast immer an den Daten, der Methodik etc. herummäkeln können. Doch das war bei dieser Studie nicht ganz der Fall. Sie hat zwar auch den immanenten Nachteil der Kontrollgruppendefinition, den kleiner Fallzahlen und nicht berücksichtigter Confounder. Aber: es ging hier nicht um anonyme Kohorten und deren Unsicherheiten, sondern um spezifische Fälle (Fallkontrollstudie). Außerdem scheidet ein großer Confounder (Rauchen) aus und last but not least haben die Autoren, was sehr rühmlich ist, detailliert die Plausibilität und deshalb den Einfluss auf das Ergebnis durch einzelne Unregelmäßigkeiten in den Daten analysiert.

Das Irre daran ist, die Daten sind ziemlich gut abgesichert. Innerhalb der 5-km-Zone um die deutschen KKW ist das Leukämierisiko aufgrund dieser Erhebung erhöht, Punkt! Was heißt das? Kann man damit ausziehen, die Kernkraft verbieten, an die KKW-Betreiber bzw. den deutschen Staat deftige Schadensersatzforderungen stellen? Die Antwort lautet: Sehr wahrscheinlich Nein!

Zunächst einmal sind die Strahlenbelastungen durch KKWs kleiner als ein Tausendstel der natürlichen Schwankungsbreite in Deutschland (s. Teil III). Wäre das Ergebnis also korrekt, müsste Bayern mit seiner um ein Mehrfaches höheren Strahlenbelastung durch Radon und Kosmos unangefochten an der Spitze der Leukämietabelle stehen. Es liegt aber nur in der unteren Hälfte der Bundesländer.

Aber vielleicht kann es ja sein, dass ein nicht protokollierter Störfall höhere Emissionen und damit die Leukämien verursacht hat?

Dazu muss man in die Details der Studie. Dort wurde nicht die Strahlenbelastung der Kinder gemessen, sondern nur die exakte Entfernung der Wohnadresse(!) vom Kernkraftwerk. Das Ergebnis ist unter mehreren Gesichtspunkten frappierend. Denn innerhalb der 5-km-Zone hat man das um 120% erhöhte Risiko, das danach abrupt abfällt, teilweise sogar ins Negative. Nimmt man die gesamte Region, also alle Landkreise um die KKWs, die der Studie zugrunde lag, ist plötzlich keine Auffälligkeit mehr festzustellen. Ebenso sind die Fälle anderer Krebsarten in der Studienregion nicht auffällig. Das heißt, ein vermutlicher Störfall mit deutlich erhöhter Radioaktivität kann zwar nicht ausgeschlossen werden, ist aber wenig wahrscheinlich.

Ein allgemein gültiger Effekt von so kleinen Strahlungen scheint auch vor dem Hintergrund gemischter Ergebnisse aus anderen Ländern sehr fraglich. In GB, Belgien und der Schweiz war kein Effekt feststellbar, in Frankreich z.B. schon. Siehe auch die Zusammenfassung des BFS:

http://www.asse.bund.de/DE/bfs/...nisse/kikk/kikk-europa-und-usa.html

Aber woher kommen dann die Fälle? Die wahrscheinlichste Antwort: saudoofer Zufall oder ein zufälliges Zusammentreffen mehrerer Faktoren außerhalb der Strahlung, die zur Leukämie beitragen und die deutsche Standorte von KKWs zufällig erfüllen. Auch das Verhalten der Familien, die dort leben, kann aufgrund des Bewusstseins um die Gefahr oder wegen der Umstände (Sozioöknomie) erzwungen so sein, dass Leukämie begünstigt wird.

Zum Zufall sei noch einmal die niedrige Fallzahl und die Einschränkung auf unter 5 Jahre erwähnt. Man spricht hier von 37 Fällen über einen Zeitraum von 24 Jahren. Anhand der Kontrollgruppe, die jenseits der 70 km Zone eines Kernkraftwerks lebt, wären 17 erwartet worden. Dazu räumen aber auch die Autoren ein, dass die Antwortrate auf die Anfrage mit der Entfernung vom KKW abnahm und die Kontrollgruppe deshalb ein etwas zu optimistisches Bild vermittelte.

Zum Schluss will ich noch auf das Prinzip der Epidemiologie eingehen, das auch der Autor kurz selbst anspricht. Es ist der Zirkelschluss. In diesem Fall wird angenommen, die extrem niedrigen Strahlungsemissionen eines KKW verursachten die Leukämie, also ordnet man die gefundenen Fälle auch diesen zu. Vertausche ich die Hypothese und behaupte z.B. nicht zuviel sondern zu wenig Strahlung verursache die Leukämie, komme ich zum selben Ergebnis. Das verdeutlicht die Konvergenz der KKW-Standorte mitder BFS-Radonkarte Deutschlands (s. Anhang). Fast alle Standorte der KKW liegen in Gebieten extrem niedriger Hintergrundstrahlung. Wäre also die Hormesis-Hypothese korrekt, würden nicht die KKW durch zuviel, sondern deren Standorte durch zu wenig Strahlung die Leukämie verursachen.

Tatsächlich will man in GB und in D laut COMARE sogar schon so einen Effekt (nicht zwingend Hormesis aber erhöhte Inzidenz wegen des Standorts) anhand geplanter, aber am Ende nicht gebauter KKWs, gesehen haben.

Ich glaube zwar nicht, dass Radon oder zu wenig Strahlung für den KIKK Effekt verantwortlich wäre, zumindest habe ich keine Anhaltspunkte dafür gefunden, dass Hintergrundstrahlung ein Standortkriterium für KKWs wäre, aber Aussage und Ergebnis sind theoretisch genauso zulässig wie die LNT-Hypothese zu den KKWs, auch wenn das bei den deutschen KKWs nur zufällig so sein sollte.

Am wahrscheinlichsten halte ich die Verkettung ungünstiger spezifischer KKW-Standortfaktoren mit Genetik und Zufall für ursächlich. Denn statistisch signifikant bedeutet nicht, dass der Zufall ganz sicher abwesend ist. Welche Standortfaktoren das sind, weiß man nicht, weil man bei den Ursachen der Leukämie immer noch im Dunkeln tappt. Es gibt z.B. eine Vermutung, dass die hohe Fluktuation rund um ein KKW und dadurch die größere Wahrscheinlichkeit, ein Virus einzufangen, für einen Teil der höheren Inzidenzen verantwortlich sein könnte.

Alles dem einzig Bekannten zuzuschreiben, auch wenn es vollkommen unplausibel ist, nur weil man alles andere nicht kennt, ist einfach nicht analytisch, auch wenn es vom Ergebnis noch so naheliegen mag. Wie gerne die Menschen das machen (würden), offenbaren die Leserkommentare zu der Ärzteblattveröffentlichung, die ausnahmslos den Autor kritisieren, die Kerntechnik schönzureden. Man will eben einen klaren - am liebsten sogar bösen - Schuldigen haben. Solche Ergebnisse verleiten dazu, genau den zu bekommen. Aber sie bedeuten bei genauerem Hinsehen nicht immer das, nach was sie aussehen. Es ist einfach unlogisch, das sehen auch die KIKK-Autoren so.
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16.06.19 13:28

9793 Postings, 5497 Tage lumpensammlernoch zu #2054, 2. Hauptsatz, Klima

Das ist eine Binsenweisheit. Es gibt nun mal kein Perpetuum Mobile. Man hat in der Realität immer und überall Verluste, mal mehr, mal weniger.

Im Falle der Umwandlung thermischer Energie in mechanische Arbeit sind es Wärmeverluste durch den Wärmetauscher und die Gas-/ Dampfturbine. Letztere arbeitet auch in Kohle-, Gas-, Müllkraftwerken. Was bei KKWs mit Wasserkühlung noch erschwerend hinzukommt, ist die schlechte Effizienz des Wärmetauschers durch den geringen Siedepunkt. Durch Einsatz anderer Medien, wie derzeit Natrium, oder in Zukunft geschmolzenes Salz und Blei wird sich das deutlich ändern. Genial ist das Prinzip mit 2 Medien, eines zum Tragen des Brennstoffs, das ideal für die Transmutation und ein ideales  Medium für den Wärmetransport, wie beim DFR.

Und wie oben in Teil I schon gesagt, der Wirkungsgrad eines KKW ist im Vergleich mit anderen KW- Typen vernachlässigbar. Die Energiedichte des Brennstoffs ist es, wo der Hammer hängt. Heute: 1 kg Uran = 50 Tonnen Kohle. Zukünftig: 1 kg Uran = 2.500 Tonnen Kohle. Der Wirkungsgrad bei der Wärmeumwandlung wird dann auch bei 50-60% liegen. Aber selbst heute, wo er nur ca. 33% beträgt, liegen ja Welten zwischen den Materialeinsätzen.

Selbstverständlich hat die Wassererwärmung keinen Einfluss auf das Klima. Der Effekt ist so gering, dass er nicht messbar ist. Selbst alle Primärenergie der Erde zusammengenommen schafft nur eine Erwärmung im Tausendstel-Hundertstel Gradbereich. Hatte ich hier auch schon irgendwann vorgerechnet. Die paar AKWs und Flüsse haben also einen noch kleineren Einfluss.

Die Flusswassererwärmung ist übrigens offiziell begrenzt.
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